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Die Wohngemeinschaft „Leben in Schaffrath“ in Gelsenkirchen hat sich im Wettbewerb gegen 22 Mitbewerber um den Gestaltungspreis 2013 der Gradmann Stiftung durchgesetzt. Die Fachjury wählte das Projekt als Sieger aus und würdigte die vorbildliche Milieugestaltung für Menschen mit Demenz. Als verantwortlicher Innenarchitekt bin ich stolz auf diese Auszeichnung.

Ausgezeichnete Atmosphäre:

Der Auftrag der APD für die Einrichtung der Wohngemeinschaft „Leben in Schaffrath“ setzte als Ziel die Schaffung eines lebenswerten Mittelpunktes unter besonderer Berücksichtigung der Einschränkungen eines Lebens von Menschen mit Demenz. Auch sollten die Erfahrungen aus dem Projekt „Leben am Rheinelbepark“ einbezogen werden. Die Entlastung der Angehörigen und die Befreiung von einem Übermaß an körperlicher, geistiger und seelischer Anstrengung durch die ständige Betreuung der dementen Familienmitglieder sollte durch dieses Angebot ermöglicht werden.

 

Kochen:

Bedürfnis nach Gemeinschaft:
Um eine positive Wirkung der Atmosphäre auf die Mieter, deren Angehörige und die Mitarbeiter zu gewährleisten, analysierten wir zu Beginn gemeinsam die Wohngemeinschaft „“Leben am Rheinelbepark“. Es stellte sich heraus, dass der Kochbereich wesentlich stärker genutzt wurde und auch die Hausarbeit zu einer echten Tages-strukturierenden Tätigkeit wurde. Allein aus diesen Gründen musste für das Thema Kochen ein deutlich größerer Raum geschaffen werden. Wir änderten in den Architektenplänen die Nutzungsbereiche und legten den Kochbereich in die Mitte der Wohngemeinschaft. Somit ergab sich für die Mieter die Gelegenheit, den Alltag gemeinsam zu gestalten, zum Beispiel gemeinsam zu kochen oder anderen dabei zuzusehen.

Bedürfnis nach Geborgenheit:
Vertraute Gegenstände, Gerüche und Geräusche regen die Sinne an und geben besonders Menschen mit Demenz eine Chance zur Orientierung. Um eine größtmögliche Stimulation der Sinne zu fördern, wurde ganz bewusst auf einen Dunstabzug verzichtet. Der Essensgeruch, der früher die Kinder nach dem Kindergarten oder nach der Schule erwartete, war ein wichtiges Signal für Heimat, Zuhause sein und Geborgenheit. Die Chance an diese Erfahrungen anzuknüpfen sollte unbedingt genutzt werden. Die zurückhaltende, natürliche Farbgebung der Oberflächen sorgt für eine echte Wohlfühlatmosphäre, in der das Kochen und Wirtschaften einfach mehr Spaß macht.

Bedürfnis nach Sicherheit:
Dem Bedürfnis nach Arbeitserleichterung und auch nach Sicherheit trugen wir durchverschiedenen Maßnahmen Rechnung: das Kochfeld und der Einbaubackofen lassen sich gegen ungewollte Benutzung abschalten. Praktische Hilfen sind die höhergesetzte Spülmaschine und der hochgesetzte Backofen mit einer zusätzlichen Ablagemöglichkeit. Auch wurden alle Unterschränke konsequent mit Schubladen ausgeführt. Die schlichte und klare Gliederung der Funktionsbereiche schafft zusätzliche Unterstützung bei der Orientierung und unterstützt somit die Mieter im Erhalt ihrer Fähigkeiten und der größtmöglichen Bewahrung ihrer Eigenständigkeit.Durch die freie Platzierung der Küche im Raum wurde an der Rückseite auch der so dringend benötigte zusätzliche Stauraum geschaffen.

Dienstzimmer:

Bedürfnisse der Mitarbeiter:
Die durchdachte Gestaltung des Dienstzimmers kommt den Mitarbeitern bei Ihrem Wunsch nach Arbeitserleichterung entgegen. Außerdem kann die gute Gliederung des Arbeitsbereichs Kompetenz und Professionalität erlebbar machen und zu größerer Zufriedenheit führen. Dies erreichten wir durch eine klare Strukturierung des Raumes, eine fachgerechte Lagermöglichkeit für Medikamente und eine Sicherung der Betäubungsmittel durch ein BTM-Fach. Ein klar gegliederter Schreib/Arbeitsbereich sorgt für zusätzliche Arbeitserleichterung.

Besprechungsbereich:
Ein einladender Besprechungsbereich für die Gespräche mit Mietern und deren Angehörigen zeigt besonders deutlich, wie wichtig Kommunikation im Haus genommen wird. Bei der Farb- und Materialauswahl achteten wir bewusst auf ein freundliches,helles Ambiente mit dezenten Naturtönen.

Gestaltung für Menschen:
Meine langjährige Erfahrung im Umgang mit ganz unterschiedlichen Projektbeteiligten machte es leicht, auch unausgesprochene Wünsche zu erkennen und in erlebbare Gestaltung umzusetzen. Die Wahrnehmung der Nutzer, der Angehörigen und der Mitarbeiter in ihren Wertvorstellungen gehört zu den wesentlichen Schwerpunkten meiner Arbeitsweise. Dies in erlebbare Wohlfühlatmosphäre umzusetzen, macht das Wertebild der Verantwortlichen sichtbar.

So wurde es in der Wohngemeinschaft „Leben in Schaffrath“ möglich, einen Lebensraum zu schaffen, in dem die Mieter ein weitgehend normales Leben in familiärer Atmosphäre führen können. Die Teilnahme an Alltagsbeschäftigungen wie Kochen, Waschen und Bügeln, Tisch decken, Zeitung lesen, Einkäufe erledigen usw. fördert die Autonomie und Kompetenzen der Mieter.

Hier finden Sie den WAZ-Presseartikel zum Gestaltungspreis 2013 der Gradmann Stiftung:

www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/ausgezeichnetes-projekt-id8740639.html

Schindler Innenarchitektur

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